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Geier-Tour auf Mallorca: Die fliegenden Mönche von Sóller

In der Serra de Tramuntana pfeift häufig der Wind, die Sonne brennt und die Pfade sind holprig. Viele Wanderer sind mehr mit sich und dem Weg beschäftigt als mit den Überraschungen der Natur. So manchem mag daher entgangen sein, welche scheuen Inselbewohner über ihren Köpfen kreisen. Relativ unbemerkt vom Massentourismus lebt auf Mallorca eine Population der in Europa vielerorts ausgestorbenen Mönchs- und Gänsegeier.

Einen ersten Eindruck, um was für beeindruckende Geschöpfe es sich handelt, bekommen Geierbegeisterte in einer Aufzuchtstation in der Inselmitte. Am Rande des Städtchens Campanet ist die Black Vulture Conversation Foundation (BVCF) untergebracht, eine Stiftung zum Schutz des Mönchsgeiers.

Kranke und verletzte Tiere, aber auch verlassene Jungvögel werden in großflächigen Gehegen aufgepäppelt. Und, sofern sie nicht zu sehr gehandicapt sind, wieder fit für das Leben in der Wildnis gemacht. Die Station beheimatet einen Lehrpfad und ein kleines Observatorium. Von dort aus lassen sich die Geier per Fernrohr beim Nestbau und bei Fütterungen beäugen. “Die Geier sind ein wichtiger Faktor für die Artenvielfalt”, sagt Juan José Sánchez, Projektleiter und Vizepräsident der Stiftung.

Daumen drücken für die richtige Thermik

Außerdem gibt es Ziegen auf dem Gelände, und das nicht ganz zufällig: Zusammen mit den Geiern bilden sie eine Lebensgemeinschaft, wie sie auch in der Natur vor- und vor allem den Geiern zugute kommt. Denn Unruhe in der Ziegenherde ist ein wichtiges Warnsignal für die zimperlichen Vögel. Und wenn hin und wieder eine altersschwache Ziege tot umfällt, sind die Aasfresser selbstredend sofort zur Stelle.

Das Observatorium bietet natürlich nur einen Vorgeschmack auf das, was Naturfreunde in den schroffen Bergen zwischen Sóller und Pollença erwartet: Geier in freier Wildbahn. Die Wahrscheinlichkeit, sie in deren Lebensraum zu Gesicht zu bekommen, sei bei geführten Wanderungen sehr gut, wie Juan José Sánchez versichert. Er kennt die besten Stellen. Wetterverhältnisse und Tageszeit müssten berücksichtigt werden. Denn die imposanten Vögel lassen sich erst dann am Himmel beobachten, wenn sich eine gewisse Thermik einstellt.

Mit dem Auto geht es zum Mirador de Ses Barques, einem Aussichtspunkt hoch oberhalb von Sóller. Das ist einer der Ausgangspunkte der verschiedenen Geierwanderungen. Von dort oben hat man einen überwältigenden Ausblick auf das tiefblaue Mittelmeer und das fast kreisrunde Hafenbecken von Port de Sóller.

Doch bei einer Tour mit den Vogelkennern Christin und Sebastian soll nicht die Landschaft im Fokus stehen, sondern Geier. Die Guides wissen, wo sich diese normalerweise aufhalten. Es geht eine breite, steinerne Treppe hinauf, die ins Gelände führt. Vorbei an Trockenmauern und Olivenhainen, blühenden Heidegewächsen und hüfthohem Rosmarin, einer überbauten Wasserstelle und einem ungerührt dreinglotzenden Schimmel. “Es könnten ein paar Geier in der Luft sein”, sagt Christin. Die Temperaturen sind mild, ideales Geier- und Wanderwetter. “Die Thermik dürfte passen”, sagt Sebastian. Ein klein wenig Glück gehört immer dazu.


“Massentourismus und Naturschutz sind vereinbar”

Die Wanderführer arbeiten für ProNature Travel, eine Tochter des BVCF. Die Organisation verfolgt ehrgeizige Ziele: Die Schutzgebiete und Artenvielfalt Mallorcas sollen mit einem nachhaltigen Tourismus in Einklang gebracht werden. Bevor die Geierschützer im großen Stil auf das Naturspektakel in Mallorcas Bergen aufmerksam machen, sollen sich die Populationen erst erholen.

“Unser Projekt soll ein Beweis dafür sein, dass eine sensible Spezies und Massentourismus durchaus vereinbar sind, selbst auf einem begrenzten Territorium wie Mallorca”, sagt Juan José Sánchez. Bis es so weit war, musste viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, bei Fincabesitzern, Bauern und Touristen.

Bevor man Touristen gewissermaßen auf die Geier loslassen konnte, haben die Naturschützer eine eigentümliche Vorsichtsmaßnahme getroffen – sie haben manch drolliges Steinmännchen in der Serra de Tramuntana abgetragen. Die im Spanischen hitos genannten Steintürmchen dienen im Gelände oftmals als Selfmade-Orientierungshilfen, etwa dort, wo Markierungen fehlen.

Manche führten ungünstigerweise geradewegs zu den Brutplätzen der Geier. Eine echte Gefahr für die Bestände, denn wenn Geier eines nicht abkönnen, dann sind das aufdringliche Zweibeiner. Bei zu viel Rummel verlassen sie ihr Nest für eine Weile. Mit fatalen Folgen: Eier und Jungtiere sind Nesträubern und der brütenden Sonne schutzlos ausgeliefert.

Wühltischmentalität in freier Wildbahn

“Wir alle profitieren von einer funktionierenden Natur”, so Sánchez. Noch in den achtziger Jahren standen die Geier kurz vor dem Aussterben. Dank der Anstrengungen der Geierschützer konnten 2011 zehn Jungtiere auf der Insel schlüpfen. Nun leben wieder weit über hundert Mönchsgeier auf Mallorca, sogar ein Football-Club hat sich nach ihnen benannt: die Mallorca Voltors (Katalanisch für Geier).

Im Moment scheint der Bestand vorerst gesichert. “Leider denken immer noch viele Wanderer nicht an die Konsequenzen für die Natur”, sagt Sebastian. Deshalb sei es um so wichtiger, zu informieren – und bestimmte Reviere aus dem Blickfeld der Touristen zu entfernen.

In Absprache mit einem Verlag für Wanderkarten wurden mehrere Routen aus den Plänen genommen, damit das Herumtrampeln in nächster Nähe zu den Geiern abnimmt. Ein unlängst erfolgtes großzügiges Landgeschenk an die Geier-Stiftung, mitten im Geier-Epizentrum gelegen, dürfte die Bemühungen um deren Schutz erleichtern.

Leider werden von Jägern gegen alle Vernunft und Gesetze noch immer Giftköder ausgelegt. Diese zielen zwar auf Füchse und Marder, machen aber auch den Geiern den Garaus. Denn Tierkadaver sind für die Aasfresser unwiderstehlich. “Die Geier beobachten genau, wo ihre Artgenossen hinfliegen”, sagt Sebastian, “sobald einer ein totes Tier entdeckt hat, fliegen die anderen hinterher.” Wühltischmentalität in freier Wildbahn.

Kaliber à zwölf Kilogramm

Bis zu zwölf Kilogramm schwer kann ein Mönchsgeier werden, bei einer Flügelspannweite von zweieinhalb bis zu knapp drei Metern. “Ich habe früher selbst auch nicht auf die Geier geachtet”, gesteht Naturfreund Sebastian, “erst durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung ist mir klar geworden, was für Kaliber das am Himmel sind.” Seitdem hat er immer einen Feldstecher im Rucksack. Die Riesenvögel sieht man schließlich nicht alle Tage.

Nach etwa 30 Marschminuten erscheinen zwei am Himmel: Ein Mönchsgeierpaar kreist majestätisch über der Wandergruppe. Es ist später Vormittag, die Sonne lacht, die Thermik stimmt. Ganz offenbar, denn die Vögel sind relativ träge Flieger, Flügelschläge eher die Ausnahme. Sie warten auf laue Lüftchen und lassen sich von den warmen Strömen tragen. Sie segeln und gleiten, fast stoisch. Daher auch die Redewendung von den kreisenden Geiern. Das Bild, das in den alten Westernfilmen vermittelt wurde, es stimmt.

Beglückt über den Anblick der dunklen Segler geht es weiter in Richtung Mittagessen. Es soll Zicklein geben, ganz Geier-like. Ziel ist Bàlitx d’Avall, eine abgelegene historische Finca, die heute als Agrotourismus-Betrieb funktioniert.

Doch die beiden Mönchsgeier waren nur ein Vorgeplänkel auf das, was keine 15 Minuten später passiert: Über einem karstigen Bergrücken hängt der Himmel plötzlich voller Geier. 15, 20 Exemplare ziehen gleichzeitig ihre Kreise. “Wahrscheinlich wurde gerade ein totes Tier in der Nähe abgelegt”, vermutet Sebastian. Die kontrollierten Fütterungen sollen sicherstellen, dass die Geier von Giftködern ablassen. Ein Glücksfall für die Tieregucker.

Im Bàlitx d’Avall erwartet Miguel auf die Wandergruppe. Seine Familie trotzt seit Generationen den widrigen Lebensbedingungen und der Einsamkeit. Das Anwesen ist ein mallorquinisches Schmuckstück mit eigener Ölmühle. Weniger Glück hatte sein Nachbar: Der verließ seine Finca, das Haus verfällt. An manchen Orten kreist auf Mallorca eben auch der Pleitegeier.

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Hertha legt Protest ein

Frymuth: “Schwarzer-Peter-Spiel” – Hertha setzt Training an

Hoch über den Wolken, auf dem Rückflug aus Düsseldorf, war Hertha BSC im wahrsten Sinne des Wortes in der Schwebe – sportlich abgestiegen, aber noch mit der Hoffnung auf eine Rückkehr in die Bundesliga durch die Hintertür. Der Klub legte am Tag nach dem 2:2 in Düsseldorf Einspruch gegen die Spielwertung ein. Das DFB-Sportgericht verhandelt den Einspruch der Berliner am heutigen Freitag, die Düsseldorfer sagten die für Samstag geplante Aufstiegsfeier vorerst ab.

“Für uns war das Spiel irregulär. Da ging es nicht mehr um sportlichen Wettkampf. Einziger Zweck der Wiedereröffnung dieses Spiels war, eine weitere Eskalation zu verhindern”, begründete Herthas Anwalt Christoph Schickhardt den Protest: “In der DFB-Satzung steht, dass ein Spiel unter diesen Umständen nicht gewertet, sondern wiederholt wird.”

“Wir rufen das DFB-Sportgericht an, um in dieser Frage zu ermitteln”, erklärte Hertha-Manager Michael Preetz: “Die Spieler hatten Angst. Es ging nicht mehr um das sportliche Geschehen. Die Frage nach der eigenen Sicherheit stand im Vordergrund, nicht das Bemühen, in den verbleibenden zwei Minuten noch ein Tor zu erzielen.”

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Das Sportgericht wird bereits am Freitag den Einspruch von Hertha verhandeln. Die mündliche Verhandlung beginnt um 13.30 Uhr. Geleitet wird sie von Hans E. Lorenz, dem Vorsitzenden des DFB-Sportgerichts. Das gab der DFB am Mittwochabend bekannt.

Ermittlungen gegen Kobiashvili, Lell, Mijatovic, Kraft und Lambertz

Der DFB-Kontrollausschuss hat nach dem Skandalspiel in Düsseldorf Ermittlungen gegen beide Klubs und gegen die Hertha-Spieler Lewan Kobiashvili, Thomas Kraft, Christian Lell, Andre Mijatovic sowie Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz aufgenommen. Das gab der DFB am Mittwochabend bekannt. Kobiashvili wird vorgeworfen, Stark nach Spielschluss in den Nacken geschlagen zu haben. Seine drei Mannschaftskollegen sollen den FIFA-Referee beleidigt haben, ebenfalls nach Abpfiff. Lambertz soll nach Abpfiff im Innenraum ein Bengalisches Feuer gehalten haben. Die Klubs und Spieler werden vom Kontrollausschuss zu Stellungnahmen aufgefordert.

Zuvor hatte Schickhardt bereits berichtet: “Die Spieler saßen mit Todesangst leichenblass in der Kabine. Im Gesetz steht: Wenn Einflüsse von außen auf ein Spiel treffen, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, muss wiederholt werden.”

Nachdem Schiedsrichter Wolfgang Stark nach einem verfrühten Platzsturm der Düsseldorfer Fans die Partie wieder angepfiffen, aber rund 30 Sekunden zu früh beendet hatte, gingen mit Herthas Christian Lell und Lewan Kobiashvili die Emotionen durch. Beide gingen noch in den Katakomben auf Stark los. Dieser hat Strafanzeige gestellt. Zuvor hatte sich Lell bereits eine Rauferei mit Düsseldorfs Assani Lukimya geleistet und soll den Abwehrspieler dabei angespuckt haben. Lell war nur schwer zu beruhigen, fing sich dann aber wieder: “Wir sind maßlos enttäuscht. Wir suchen jetzt aber keinen Sündenbock, wir waren in der Saison leider nicht immer erstligareif.”

Im Brennpunkt: Schiedsrichter Wolfgang Stark.© Getty ImagesZoomansicht

Auch Herthas Manager Michael Preetz war entsetzt. “Die Umstände, wie dieses Spiel zu Ende gegangen ist, machen uns betroffen und nachdenklich”, sagte der 44-Jährige. Viele Minuten lang hatte die Mannschaft in der Kabine gewartet. Preetz habe sich bei Stark erkundigt, ob dieser die Sicherheit der Spieler gewährleisten könne. Stark verneinte. Erst als die Polizei erklärte, es werde zu keiner weiteren Eskalation kommen, gingen die Hertha-Spieler zurück aufs Feld.

Wie das Nachspiel ausgeht, ist unklar. Geklärt scheint dagegen: Preetz wird Herthas Manager bleiben. “Ja, ich bin gewillt, weiterzumachen”, sagte er trotz einer verheerenden sportlichen Bilanz. Der Klub ist wahrscheinlich zum zweiten Mal in zwei Jahren aus dem Oberhaus abgestiegen, Preetz verschliss allein in einer Saison drei Trainer. Dennoch will Präsident Werner Gegenbauer an ihm festhalten: “Für mich ist es unstrittig, dass er in seiner Position bleibt”, sagte der Hertha-Boss.

Gegenbauer rief zunächst einmal zum Trotz auf. “Jetzt geht es darum, alle wieder aufzurichten und dafür zu sorgen, dass wir wieder auf den richtigen Weg kommen”, sagte der Präsident. Allerdings droht dem Klub eine lange Abstinenz vom Oberhaus, da Leistungsträger wie Raffael oder Adrian Ramos angesichts eines Schuldenbergs von 35 Millionen Euro in der 2. Liga nicht zu halten wären.

Viele der mitgereisten 5000 Berliner Fans konnten die Pleite nicht so leicht abhaken wie die Klubspitze und ließen ihren Tränen freien Lauf. Vor laufenden TV-Kameras forderten etliche von ihnen den Rücktritt von Preetz und auch von Gegenbauer. Der Präsident muss sich bis zur Mitgliederversammlung am 29. Mai auf Gegenwind einstellen. Es ist fraglich, ob er mit einem Manager Preetz erneut das Vertrauen der Mitglieder erhält.

Otto Rehhagel hatte nach dem Rückspiel noch einmal deutlich gemacht, dass für ihn das Engagement in Berlin beendet ist. “Ich bin nur für die Zeit bis Saisonende tätig, das habe ich von Beginn an gesagt.” Dies könnte sich nun noch verschieben. Für den Freitag kündigte der Verein bereits ein Training “wie vor einem regulären Bundesligaspiel” an – auch mit Otto Rehhagel.

Düsseldorf sagt Aufstiegsfeier ab

Fortuna Düsseldorf hat nach dem Einspruch von Hertha die für Samstag geplante Aufstiegsfeier in der Esprit-Arena abgesagt. Das berichtet die Rheinische Post. Die Absage habe “verschiedene organisatorische Gründe”, wird der Fan-Beauftragte Jörg Emgenbroich zitiert. Fortuna-Präsident Peter Frymuth nannte es inzwischen “verwunderlich, die nicht genutzten Chancen in zwei Spielen nun an zwei Minuten festzumachen”. Er sprach von einem “Schwarzer-Peter-Spiel”, an dem sich die Fortuna im Gegensatz zu Hertha BSC nicht beteiligt habe, obwohl “nach dem 2:1 für uns massiv Sachen aus dem Hertha-Block geflogen sind und die Partie vor dem Abbruch stand.”

Pressesprecher Tom Koster kündigte für Donnerstag eine Erklärung des Klubs an.

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Reaktionen auf Röttgens Entlassung: „Seine Bilanz ist wirklich das schreiende …

Kanzlerin Merkel hat Umweltminister Röttgen abserviert. Grünen-Chef Özdemir spricht von einem „Bauernopfer“ und dem Versuch, von ihrem eigenen „Versagen in Nordrhein-Westfalen und bei der Energiewende abzulenken.“ Auch Claudia Roth findet deutliche Worte.
mehr Informationen anzeigen

 
Das Video im O-Ton: ” Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Umweltminister Norbert Röttgen am Mittwoch entlassen. Es folgen Stimmen aus der Opposition: Die beiden Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir und Claudia Roth sowie der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann meldeten sich zu Wort. O-ton Özdemir: “Entgegen der Behauptung von Bundeskanzlerin Merkel ist die NRW-Wahl jetzt mittlerweile in der Bundesebene endgültig angekommen. Frau Merkel hat quasi ihren Lieblingsminister bis letzte Woche noch gelobt über alle Stränge, wir erinnern uns daran. Dies ist nichts anderes als der Versuch, über ein Bauernopfer über ihr eigenes Versagen in Nordrhein-Westfalen und bei der Energiewende abzulenken.” O-ton Roth: “Seine Bilanz ist wirklich das schreiende Nichts, und deswegen ist der Rücktritt oder der Rausschmiss, das scheint ja nicht sehr freiwillig gewesen zu sein, der Rausschmiss der Kanzlerin nur konsequent. Wir haben gesagt, wir brauchen einen starken Minister, er ist nicht mehr zu halten, es ist konsequent. Wir erwarten jetzt vom Umweltminister in spe Altmaier, dass er die Energiewende vorantreibt, dass er endlich etwas gegen die Klimawandel setzt, dass Deutschland in eine Vorreiterrolle kommt, wenn es um erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Energieeinsparung geht und dass der Atomausstieg vollzogen wird.” O-ton Oppermann: “Es wird einsam um Angela Merkel. Sie hat den Umweltminister entlassen, um sich selber zu schützen. Sie macht ihn zum Sündenbock für eine gescheiterte Energiewende. Jetzt zieht sie die Notbremse, um den Schaden von sich selbst abzuwenden. Das ist zu spät. Sie hat ein Jahr lang zugeschaut, wie Herr Rösler und Herr Röttgen sich zerstritten haben über wichtige Fragen der Energiewende. Diese Zeit können wir jetzt kaum noch aufholen. Deshalb hat Frau Merkel in Panik gehandelt, als sie den Umweltminister entlassen hat.”"

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So erlebte ich das Chaos in Düsseldorf

Der Skandal-Abstieg in Düsseldorf – und ich der BZ-Reporter bin mittendrin!
Seit 2007 berichte ich für die BZ von Hertha. In den vergangenen fünf Jahren
habe ich viele Spiele gesehen und erlebt. Aber so eines, wie das gestrige
war noch nicht dabei. Blitzstart, Platzverweis, Bengalos, Spielabbruch,
Hetzjagd, Wiederaufnahme, Abstieg – was für ein dramatisches Finale einer
katastrophalen Hertha-Saison.

Spieler flüchten in die Kabine

Es ist 22.27 Uhr, als ich meinen Platz auf der Pressetribüne verlasse, um in
den Katakomben auf Spielerstimmen zu warten. Die Nachspielzeit von sieben
Minuten läuft bereits. Es steht 2:2, Hertha fehlt noch ein Tor zur Rettung.
Ein Tor zwischen Abstieg oder Klassenerhalt. Als ich in der Mixed-Zone, wo
wir Reporter nach Abpfiff die Spieler interviewen, ankomme, wartet erst ein
Dutzend Kollegen. Drei Kamera-Teams und ein paar schreibende Journalisten.
Der Bereich, in dem wir uns aufhalten, ist durch eine Glaswand, die von
Ordnern bewacht wird, von der Treppe, die zum Spielfeld führt, getrennt.

Jenseits der Wand herrscht Hektik. Die Ordner in gelben Westen formieren sich,
bekommen letzte Anweisungen, wie sie sich nach Schlusspfiff zu verhalten
haben. Ich stehe mit Kollegen vor einem der Fernseher ein paar Meter weiter
und sehe mir die letzten Minuten an. Plötzlich erkenne ich auf dem
Bildschirm, dass Hunderte Fortuna-Fans auf den Rasen stürmen. Sofort schaue
ich in Richtung Glaswand. Das Spiel ist aus! Das war’s, denke ich. Oder doch
nicht? Ich stehe direkt an der Wand, sehe zuerst Schiedsrichter Wolfgang
Stark und seine Assistenten in ihren gelben Trikots.

Totale Verwirrung

Sie flüchten in Richtung Kabine, müssen von Ordnern geschützt werden. Einige
Hertha-Spieler wollen auf sie los, bedrängen und bepöbeln sie. „Noch drei
Minuten“, rufen sie Stark hinterher. Auch Manager Michael Preetz ist dabei,
sagt zu Stark: „Was erzählen Sie denn da?“ Der Schiri verschwindet in der
Kabine, die auf der Seite der Fortuna-Umkleide liegt. Die Düsseldorfer
Spieler folgen ihm. Totale Verwirrung! Einige Herthaner glauben, dass das
Spiel vorbei sei, andere schreien: „Wir haben noch drei Minuten, Jungs!“
Dann verschwinden auch sie in der Umkleide. Während im Inneren des Stadions
das Chaos herrscht, versuchen die Ordner, das Spielfeld von den Fans zu
befreien. Ich sehe auf einem der Fernseher, wie ein Fan den Elfmeterpunkt
rausreißt. Das gibt’s doch gar nicht, denke ich. Immer wieder höre im
Hintergrund den Stadionsprecher, wie er versucht, die Massen zu beruhigen.

Es vergehen Minuten. Inzwischen ist der Raum vor den Kabine voll von Menschen.
Ich sehe Journalisten, Ordner, Klub-Mitarbeiter. Herthas Finanzboss Ingo
Schiller und Präsident Werner Gegenbauer kommen, fragen nach dem Weg in die
Kabine. Dann verschwinden auch sie in selbiger. Wieder vergehen Minuten. Ich
höre davon, dass Hertha sich berät, ob sie weiterspielen oder nicht. Eine
Bestätigung dafür bekomme ich aber nicht. Hinter einer Glastür sehe ich
einige Düsseldorfer Spieler. Auch sie starren gebannt auf einen Fernseher.
Dann kommen sie raus, brüllen und pushen sich. „Auf geht’s!“ Oder: „Das
lassen wir uns nicht mehr nehmen!“ Und: „Kommt, Männer!“ Wenig später folgt
ihnen Stark und sein Team. Ich bekomme hektische Anrufe aus der Redaktion:
„Was ist da los?“ Gute Frage…

Hertha überlegt, ob sie weiterspielen

Dann macht sich der vierte Offizielle auf den Weg in Richtung Hertha-Kabine.
Als er nach ein paar Minuten nicht wiederkommt, sieht Stark selbst nach. Als
er rauskommt, frage ich: „Herr Stark…“ Keine Antwort. Wortlos geht er in
Richtung Spielfeld. Ich höre, wie ein Kollege von Pay-TV-Sender Sky die
Bestätigung bekommt, dass Hertha überlegt, ob sie weiterspielen. Sekunden
später klackern im Kabinengang der Berliner die Stollen auf dem Betonboden.
Kommen sie jetzt? Ja, sie kommen! Nach und nach verlassen sie den
Kabinentrakt und gehen aufs Spielfeld. Beim Rausgehen murmelt Ersatzspieler
Fabian Holland vor sich hin: „Wir haben Abstoß.“ Manager Preetz dreht sich
um, fragt: „Die? Wir?“

Draußen pfeift Stark um 22.48 Uhr das Spiel wieder an. Gesichert von hunderten
Ordnern und Polizisten am Spielfeldrand. Langsam wird es wieder ruhiger in
der Interviewzone. Ich ahne, dass da gleich noch was kommt. Wieder stehe ich
mit Kollegen vorm TV. Dann ist Schluss, keine Minute nach Wiederanpfiff. Das
Spiel ist beendet, der Abstieg besiegelt. Wieder sehe ich als Erstes Stark.
Wieder wird er von Hertha-Spielern bedrängt. Peter Niemeyer brüllt ihn an,
auch Christian Lell. Der Vize-Kapitän schreit: „Du feiges Schwein! Dann
brauchst Du gar nicht mehr anpfeifen.“ Auch Lewan Kobiashvili will den
Schiri attackieren, wird aber scheinbar von Mediendirektor Peter Bohmbach
zurückgehalten. Ersatzkeeper Sascha Burchert ruft: „Für nur 60 Sekunden!“
Die Spieler verschwinden in der Kabine, verweigern jeden Kommentar. Auf der
anderen Seite ziehen die Düsseldorfer jubelnd durch die Katakomben. Über
eine halbe Stunde bleiben Berlins Spieler in der Kabine. Offenbar
beratschlagen sie, wie man sich jetzt zu den Vorkommnissen äußert. Ich frage
Rainer Koch, der an mir vorbeiläuft, ob es am Ende irreguläre Bedingungen
waren. Der DFB-Vizepräsident: „Wir geben dazu keinen Kommentar ab, müssen
das in Ruhe analysieren.“

Tränen in den Augen der Spieler

Ich warte vorm Kabinenausgang. Kurz vor Mitternacht kommen die Spieler nach
und nach raus. Ich frage sie, ob sie kurz Zeit hätten. Die meisten lehnen
ab. Andre Mijatovic sagt: „Sorry, heute nicht…“ Wie auch Raffael und Felix
Bastians. Niemeyer spricht von einem „sehr bitteren Abend für uns und den
Verein“. Auch Christoph Janker stellt sich. Er sagt mir: „Es ist verdammt
bitter! Wir waren nicht das schlechtere, sondern das dümmere Team.“ Ich hake
nach: „Bleiben Sie?“ Der Verteidiger antwortet: „Dazu kann ich jetzt noch
nichts sagen.“

Auch Ante Covic verlässt wortlos das Stadion. Er hat Tränen in den Augen.
Genauso wie Änis Ben-Hatira. Der Berliner Junge, der Hertha überhaupt erst
die Relegation ermöglicht hatte und in Düsseldorf nach seinem Ausgleichstor
Gelb-Rot sah, will sich stellen, bleibt stehen. „Wie bitter ist dieser
Moment“, frage ich. Er sucht nach Worten, Tränen laufen ihm über die Wangen.
Dann sagt er mit zittriger Stimme: „Tut mir leid, ich kann nicht…“ Er steigt
in den Bus. Um 0.04 Uhr schließen sich die Türen des Mannschaftsbusses.
Abfahrt. Ich denke: Tschüß Bundesliga, willkommen 2. Liga!

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