Tourismus: Reise-Buchungen für Griechenland eingebrochen
Bilder von gewalttätigen Demonstrationen schrecken die Deutschen ab: Immer weniger wollen in Griechenland Urlaub machen. Die Buchungszahlen gingen um 30 Prozent zurück.
© Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images
Auf der griechischen Insel Santorini (Archivbild)
Den Reisekonzernen macht das Geschäft mit Griechenland zu schaffen. Die Buchungen aus Deutschland für Reisen in das krisengebeutelte Land brachen nach Angaben des Reisekonzerns Thomas Cook drastisch ein.
“In der deutschen Reisebranche lagen die Buchungszahlen für Urlaub in Griechenland bis Anfang der Sommersaison um 30 Prozent unter dem Vorjahr”, sagte der Touristik-Geschäftsführer von Thomas Cook, Michael Tenzer, der Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag. Bis zur Parlamentswahl im Mai hätten die Buchungen zwar wieder etwas zugelegt. Mit der Diskussion um Neuwahlen und den Euro-Ausstieg hätten sich die Ängste aber wieder verstärkt und es werde wieder weniger gebucht, obwohl Thomas Cook Preisnachlässe der Hoteliers und Airlines von bis zu 20 Prozent weitergebe.
Die Bilder von gewalttätigen Demonstrationen in den Großstädten schrecken laut Tenzer die Reisenden ab, obwohl die Lage in Urlaubszielen wie Kreta und Rhodos friedlich sei. Der Reiseveranstalter selbst habe “keine Buchungsverluste, weil unsere Kunden auf Spanien oder die Türkei ausweichen”.
Auch Alltours kämpft mit Problemen in Griechenland
Falls die Griechen tatsächlich zur Drachme zurückkehrten, werde es zwar gesamtwirtschaftliche Turbulenzen geben. “Wir sehen das allerdings entspannter, da wir mit Hoteliers und Partnern Verträge in Euro haben. Die müssen auch in Euro beglichen werden”, sagte der Thomas-Cook-Manager. Buchungen und Umsatz lägen bei Thomas Cook insgesamt um ein beziehungsweise zwei Prozent über dem Vorjahr.
Auch Wettbewerber Alltours kämpft mit Problemen in Griechenland. “Die Buchungen liegen weit unter Vorjahr”, sagte Unternehmenschef Willi Verhuven der Wirtschaftswoche. “Die Deutschen lassen sich offenbar von einigen radikalen Demonstranten und extremistischen Politikern in Athen abschrecken.” In den touristischen Zielgebieten merkten Urlauber davon aber nichts.
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- lernunfaehig
- 19.05.2012 um
19:26 Uhr
“bei uns in deutschland”
“bei uns in deutschland”
“bei uns in deutschland”
“bei uns in deutschland”
“bei uns in deutschland”der spruch wird so um die tausend mal am tag verwendet…warum bleibt der heimatliebender mensch dort, wo es wirklich wie “bei uns in deutschland” ist?
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- lernunfaehig
- 19.05.2012 um
19:27 Uhr
“nicht dort” soll es heissen
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- nemonemo
- 19.05.2012 um
19:30 Uhr
Wenn man von tagelengen Streiks der Schiffer, Taxifahrer,
etc. und die angekünigter Unfreundlichkeit gegenüber Deutschland erfährt, müsste man ein Masochist sein, um
trotzdem nach GR zu fahren. Spanien und Spanier sind mir
lieber, olé ! -
- christygoe
- 19.05.2012 um
19:33 Uhr
Wenn Menschen nicht in Kriegs- oder Krisengebiete reisen wollen oder wie hier in ein Land, das auf der Kippe steht und in dem bei Demonstrationen Deutsche mit Nazis gleich gesetzt werden, halte ich das für vernünftig, denn sie wollen Urlaub und keinen Stress erleben, was immerhin im Bereich des Möglichen ist.
- lernunfaehig
- 19.05.2012 um
19:45 Uhr
…nicht explizit auf griechenland was ich geschrieben habe, lesen sie den text nochmal.
dieses *also bei uns in deutschland* ist markenzeichen weltweit, wie sandale und weisse socken uebrigens
- switch13
- 19.05.2012 um
19:52 Uhr
Deutsche mit Nazis gleich gesetzt werden
Es sind die grossen Medien, die die Menschen im jeweiligen Land gegeneinander aufhetzen. Es wuerde mich nicht wundern, wenn der Springerkonzern auch regionale Zeitungen im Sueden verlegt.
Umgekehrt muesste es also heissen; was wollen die Griechen in Deutschland, wo sie doch hierzulande alle als ‘Schmarotzer’ angesehen werden?
- lernunfaehig
- 19.05.2012 um
19:45 Uhr
…nicht explizit auf griechenland was ich geschrieben habe, lesen sie den text nochmal.
dieses *also bei uns in deutschland* ist markenzeichen weltweit, wie sandale und weisse socken uebrigens
- switch13
- 19.05.2012 um
19:52 Uhr
Deutsche mit Nazis gleich gesetzt werden
Es sind die grossen Medien, die die Menschen im jeweiligen Land gegeneinander aufhetzen. Es wuerde mich nicht wundern, wenn der Springerkonzern auch regionale Zeitungen im Sueden verlegt.
Umgekehrt muesste es also heissen; was wollen die Griechen in Deutschland, wo sie doch hierzulande alle als ‘Schmarotzer’ angesehen werden?
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- Klaus4711
- 19.05.2012 um
19:38 Uhr
ich mag auch nicht in ein Land in dem ich als Nazi beschimpft werde, in dem deutsche Flaggen brennen, von den “Unbequemlichkeiten” der Streiks mal ganz abgesehen.
Auch deutsche Leidensfähigkeit ist begrenzt!
Ganz abgesehen davon, dass ich mich ausgenommen fühle wie eine Weihnachtsgans!- Montessori
- 19.05.2012 um
20:17 Uhr
mal ganz ehrlich, es wurde eine Flagge von irgend ein Idiot in Athen verbrannt…ok
Sind Sie sonst außer Deutscher mit Frau Merkel verwandt? Wg der Nazi Uniform?
Ich als Italiener kommen mir auch sehr komisch vor, wenn “der Spiegel” als Titelblatt ein Teller Spaghetti mit ne Knarre abbildet! Meine Deutsche Freunde bezeichne ich deswegen nicht gleich als Nazi! Schliesslich arbeiten sie nicht beim “Spiegel” und schon gar nicht vertreten sie deren Meinung.
Es ist ein Zeichen von Stärke zueinander zu finden, eher Schwäche die Konfrontation zu vermeiden. Wenn Sie in Griechenland Urlaub machen, glauben Sie wirklich, dass Sie als Nazi beschimpft werden?
Da frage ich mich für wie Dumm hält man die Griechische Bevölkerung eigentlich noch?
Grüße
Montessori- Montessori
- 19.05.2012 um
20:17 Uhr
mal ganz ehrlich, es wurde eine Flagge von irgend ein Idiot in Athen verbrannt…ok
Sind Sie sonst außer Deutscher mit Frau Merkel verwandt? Wg der Nazi Uniform?
Ich als Italiener kommen mir auch sehr komisch vor, wenn “der Spiegel” als Titelblatt ein Teller Spaghetti mit ne Knarre abbildet! Meine Deutsche Freunde bezeichne ich deswegen nicht gleich als Nazi! Schliesslich arbeiten sie nicht beim “Spiegel” und schon gar nicht vertreten sie deren Meinung.
Es ist ein Zeichen von Stärke zueinander zu finden, eher Schwäche die Konfrontation zu vermeiden. Wenn Sie in Griechenland Urlaub machen, glauben Sie wirklich, dass Sie als Nazi beschimpft werden?
Da frage ich mich für wie Dumm hält man die Griechische Bevölkerung eigentlich noch?
Grüße
Montessori -
- lernunfaehig
- 19.05.2012 um
19:45 Uhr
…nicht explizit auf griechenland was ich geschrieben habe, lesen sie den text nochmal.
dieses *also bei uns in deutschland* ist markenzeichen weltweit, wie sandale und weisse socken uebrigens
- England92
- 20.05.2012 um
8:12 Uhr
… sie haben das deutsche unternehmen mit der tatze in ihrer aufzaehlung vergessen…
cheers
- England92
- 20.05.2012 um
8:12 Uhr
… sie haben das deutsche unternehmen mit der tatze in ihrer aufzaehlung vergessen…
cheers
-
- Montessori
- 19.05.2012 um
19:46 Uhr
diese Insel ist von eine atemberaubende Schönheit..
Bin schon ein gutes Dutzend mal dagewesen und trotzdem beeindruckt mich Ihre bizarre Schönheit immer wieder aufs Neue..
Wir sehen uns bald.
Grüße
Montessori- Mari o
- 20.05.2012 um
1:17 Uhr
ist vor allem,wenn der Mensch merkt,dass aus dem Bankautomaten nichts rauskommt,und dann dauert es höchstens noch 10 Minuten und er hat alle Zivilisation vergessen.
Vielleicht soll es erst so weit kommen,damit die Santoriner einsehen,dass die Saison auf Santorin sehr kurz ist.Da könnte das ganze Jahr Saison sein.
nix für ungut- Mari o
- 20.05.2012 um
1:17 Uhr
ist vor allem,wenn der Mensch merkt,dass aus dem Bankautomaten nichts rauskommt,und dann dauert es höchstens noch 10 Minuten und er hat alle Zivilisation vergessen.
Vielleicht soll es erst so weit kommen,damit die Santoriner einsehen,dass die Saison auf Santorin sehr kurz ist.Da könnte das ganze Jahr Saison sein.
nix für ungut -
- switch13
- 19.05.2012 um
19:52 Uhr
Deutsche mit Nazis gleich gesetzt werden
Es sind die grossen Medien, die die Menschen im jeweiligen Land gegeneinander aufhetzen. Es wuerde mich nicht wundern, wenn der Springerkonzern auch regionale Zeitungen im Sueden verlegt.
Umgekehrt muesste es also heissen; was wollen die Griechen in Deutschland, wo sie doch hierzulande alle als ‘Schmarotzer’ angesehen werden?
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Israel: Bauboom in der weißen Stadt
Tel Avivs Stadtbild prägt die Bauhaus-Architektur. Jetzt ändert sich die Stadt rasant: Wolkenkratzer werden gebaut. Der Fotograf Ron Shoshani dokumentiert diesen Wandel. Von Florian Mebes
Der Fotograf Ron Shoshani dokumentiert die Änderungen von Tel Avivs Architektur.
Ron Shoshani rast durch die leeren Straßen Tel Avivs. Vor der Rush-Hour und den allmorgendlichen Staus bleibt ihm nur wenig Zeit. Das Wetter ist perfekt für sein Vorhaben. Sein Ziel ist ein Wolkenkratzer in Ramat Gan, dem Börsenviertel von Tel Aviv. Noch ist der Wolkenkratzer ein Rohbau. Ron Shoshani packt sein Fotoequipment und steigt die Treppe hinauf, 40 Stockwerke. Der Fahrstuhl für die Bauarbeiter ist vor Arbeitsbeginn nicht in Betrieb.
“Der Skyline Tel Avivs steht bis 2020 ein dramatischer Wandel bevor. 25 neue Wolkenkratzer werden sich in den Himmel strecken. In meinen Arbeiten halte ich die Veränderung in einer Art Zeitkapsel fest”, sagt Ron Shoshani über seine Fotografien. Vor gut zwei Jahren begann er auf dem Dach des Hochhauses in Ramat Gan, die Veränderungen der Architektur Tel Avis zu dokumentieren. Im Zentrum seines ersten Motivs stand das Azraeli-Center.
Der Komplex besteht aus drei Hochhäusern und liegt an der Ayalon-Hauptverkehrsader. Zentral in Shoshanis Bild treffen sich dort der Ayalon und die Menachim-Begin-Straße. Eine Wolkenbank läuft von den oberen Bildrändern direkt auf das darunter liegende Wahrzeichen der Finanz- und IT-Metropole. Die Stadtmitte ist zu überblicken, am rechten Horizont das Mittelmeer. Nach der Veröffentlichung auf Facebook erntete Shoshanis Foto auf Anhieb etwa 2.000 “gefällt mir”.
Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild.
“Meine Cityscapes oder Urbanen Landschaften haben eine besondere Atmosphäre. Ich fasse die Energie der Stadt mit der Idee und Logik, die in der Stadtplanung allgemein und der Planung eines spezifischen Gebäudes stecken, die letztendlich den Menschen dienen sollen, in einem Gedanken zusammen”, sagt Shoshani. Die Kommentare zu seinen im Internet veröffentlichten Arbeiten sprechen für sich: Die Tel Avivim, wie die Bürger Tel Avivs in Israel genannt werden, entdecken ihre eigene Stadt neu.
Auch das Zentrum ändert sich
Shoshanis Familie wanderte vor etwa 100 Jahren aus Litauen nach Israel ein. Seine Vorfahren erbauten Tel Aviv. Er wuchs mit den Geschichten aus der Anfangszeit der wegen ihrer Bauhaus-Gebäude sogenannten “weißen Stadt” auf. Seine Liebe zu Tel Aviv reflektiert er in seinen fotografischen Arbeiten. Shoshani ist Autodidakt, er absolvierte keine Ausbildung als Fotograf und besuchte keine Kunsthochschule. Heute lebt er alleine im nördlichen Stadtteil Ramat Aviv in der Nähe der Universität Tel Aviv.
In den Vororten entstehen Hochhäuser, der Stadtteil Givatajim wird sich bei planmäßigem Bau in fünf Jahren mit dem Titel des höchsten Gebäudes Israels schmücken können. Doch auch bei einem Spaziergang durch die Innenstadt wird die architektonische Veränderung sichtbar: An der Strandpromenade in Richtung Jaffa, der arabischen Altstadt, reiht sich Baustelle an Baustelle. Zu den Hotelbettenburgen kommen Eigentumskomplexe mit Meerblick. In der Dizengoffstraße, Ecke Frishmanstraße, befindet sich ein weiterer kurz vor der Fertigstellung.
Tel Aviv vibriert Tag und Nacht
Im südlichen Abschnitt des renommierten Rothschild-Boulevards entstanden gleich mehrere Apartmenthochhäuser; weitere werden errichtet. Ein Quadratmeter Eigentumswohnung kann hier besonders gewinnbringend veräußert werden, und aufgrund des Platzmangels gibt es nur eine Richtung für Neubauten: nach oben. Die älteste und bekannteste Flaniermeile mit ihren klassischen Stadtvillen, links und rechts einspurige Fahrbahnen für Kraftfahrzeuge und in der Mitte eine großzügige Allee für Fußgänger und Radfahrer, verdeutlicht den Wandel signifikant.
Tel Aviv, “die weiße Stadt”, die sich dank ihrer vielen Gebäude in Bauhaus-Architektur mit einem UNESCO-Weltkulturerbe schmücken darf, lebt. Und vor allem lebt diese Stadt rasant. “In zehn bis 15 Jahren werden die Bewohner Tel Avivs nostalgisch zurückblicken. Tel Aviv ist schnell, Tel Aviv vibriert 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche, das gibt den Menschen kaum Zeit zum Durchatmen”, sagt Ron Shoshani. “Ich möchte die Wahrnehmung im Ausland ändern. Bisher steht Israel eher für Soldaten, Kriege und Terroranschläge oder religiöse Menschen und Wahrzeichen – eben durch die Bilder, die im Bewusstsein der Betrachter verankert bleiben.”
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- franzhaupt
- 18.05.2012 um
12:13 Uhr
…war noch nicht dort.
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- eras
- 18.05.2012 um
12:49 Uhr
“An der Strandpromenade in Richtung Jaffa, der arabischen Altstadt, reiht sich Baustelle an Baustelle. Zu den Hotelbettenburgen kommen Eigentumskomplexe mit Meerblick.”
Der Artikel ist ja ganz nett und Tel Aviv eine grandiose Stadt. Wenn man aber schon die städtebauliche Entwicklung in Tel Aviv beschreibt, dann sollten auch die Problematiken erwähnt werden.
Zum einen sind in der Stadt in den letzten 20 Jahren auch so einige Bausünden passiert, die man besser nicht auf den Fotos zeigt. Zum anderen hätte ich mir zu einem anderen Problem mehr als diesen Satz gewünscht: “Ein Quadratmeter Eigentumswohnung kann hier besonders gewinnbringend veräußert werden…”
Die Kehrseite von “besonders gewinnbringend” ist nämlich die Situation der Einwohner der Stadt. Die Kauf- und Mietpreise für Wohnraum sind absurd – und dass bei einem Einkommen, das im Durchschnitt ungefähr halb so hoch ist wie in Deutschland.
In Jerusalem wie Tel Aviv trifft man immer häufiger Schilder an, die Wohnraum nur noch auf Englisch und Französisch bewerben. Weil die hebräischsprachigen Menschen, die hier leben und arbeiten, sich die “Luxury Appartments”, die überall gebaut werden, eh nicht leisten können. 2-3 Millionen Dollar für eine mittelgroße Eigentumswohnung in guter Jerusalemer Lage sind inzwischen schon fast Standard. Tel Aviv ist noch teurer. Und die (im Vergleich mit Deutschland rund doppelt so hohen) Lebenshaltungskosten kommen da noch oben drauf…
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City Guide Lissabon: Portugals Trost auf Schienen
Eine Fahrt in der Linie 28 kann sogar Liebeskummer heilen
© Luis Filipe Catarino/4SEE/laif für DIE ZEIT
Lissabons legendäre Straßenbahnlinie 28, hier am Rande des Bairro Alto
Es war Februar, und eine Frau hatte mein Herz gebrochen, als ich zum ersten Mal in die Stadt am Tejo reiste, von der es heißt, hier sei die Melancholie zu Hause. In Deutschland regnete es seit Wochen, über Lissabon aber spannte sich ein unwirklich blauer Himmel. Ich hatte keinen Reiseführer eingepackt, Sehenswürdigkeiten interessierten mich nicht. Stattdessen schlenderte ich ziellos durch die Straßen und trank Portwein in Kneipen voller traurig aussehender Männer. In die Straßenbahn bin ich nur gestiegen, weil mir irgendwann am Abend die Füße weh taten.
Lissabon auf einer größeren Karte anzeigen
Die Carreira 28 dos Eléctricos de Lisboa verbindet die Lissabonner Stadtteile Alfama, Baixa, Lapa und Prazeres und zählt zu den berühmtesten Straßenbahnstrecken der Welt, aber das wusste ich damals nicht. Ich hatte auch keine Ahnung von den legendären 13,5 Prozent Steigung, die die Bahn auf ihrer Strecke überwindet. Ich wollte einfach sitzen, meinen Gedanken nachhängen und mich in die Nacht bringen lassen.
Eine Fahrt mit der 28 ist nicht die bequemste Art, in Lissabon von A nach B zu kommen. Sie setzt sich zusammen aus einem stetigen Wechsel von abruptem Bremsen und ruckartigem Anfahren. Die Räder rattern höllisch laut, die Sitze sind unbequem, und sehr oft bleibt sie stehen, weil Autos die Gleise blockieren. Gleichzeitig hat eine Fahrt in der 28 aber auch etwas wunderbar Nostalgisches. Man ertappt sich dabei, wie man mit dem Finger über das polierte Holz fährt. Und spürt, wie man allmählich ruhiger wird.
Damals, beim ersten Mal, ruckelte die 28 an den Fenstern großer Wohnungen vorbei, in denen Licht brannte, und in einer dieser Wohnungen saß eine junge Frau hinter ihrem Computer. Sie schaute aus dem Fenster, als die Bahn in Zeitlupe vorbeizuckelte, und für ein paar Sekunden trafen sich unsere Blicke. Dann lächelte sie, und sie lächelte alle Melancholie weg, einfach so. In diesem Moment wusste ich, dass ich eigentlich nie mehr aussteigen wollte.
Seitdem fahre ich immer mit der 28, wenn ich in Lissabon bin, oft gleich zweimal hintereinander von einer Endstation zur anderen, weil sich in der Zwischenzeit so viel verändert hat: In der Wohnung, in der eben noch ein Tisch gedeckt wurde, sitzt die Familie nun beim Dessert. Das Paar, das sich eben noch in den Armen lag, streitet jetzt. Und aus der Sé, der Kathedrale, auf deren Treppe sich zwei Großmütterchen abmühten, strömt mittlerweile ein himmelhochjauchzender Choral.
Manchmal entdecke ich auf diesen Fahrten Passagiere, die wie ich kein Ziel zu haben scheinen. Die Frau am Computer habe ich nie mehr gesehen. Doch ihr Lächeln trage ich in meinem längst reparierten Herzen, jedes Mal, wenn ich in der 28 sitze.
-
- greuel
- 17.05.2012 um
17:20 Uhr
Vielleicht sollte man ehrlicher Weise dazu noch sagen, dass 80% der Fahrgäste in der Linie 28 Touristen sind. Dann relativiert sich das Bild doch ein wenig.
-
- patrücken
- 17.05.2012 um
18:17 Uhr
du bist zwar ganz schön dreckig, im sommer besonders staubig, und sobald eine straße 1,20m breit ist, findet man da auch garantiert autos, aber wenn ich ein alter sack bin, dann hoffe ich, wird in alfama oder im bairro alto eine nette wohnung auf mich warten.
pasteis de belem zum frühstück, vitoria im estadio da luz fliegen sehen, an der costa da arrabida spazieren gehen, und mit vonho verde auf miradores die welt an sich vorbei ziehen lassen, ein traum… -
- Zack34
- 17.05.2012 um
19:12 Uhr
-
- Mediaholic
- 17.05.2012 um
21:06 Uhr
Danke für diesen kurzen, alternativen Beitrag, der fast schon etwas von einer Kurzgeschichte hat!
Lissabon ist echt eine wunderschöne Stadt, auch wenn ich persönlich mein Barcelona bevorzuge.
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City Guide Lissabon: Portugals Trost auf Schienen
Eine Fahrt in der Linie 28 kann sogar Liebeskummer heilen
© Luis Filipe Catarino/4SEE/laif für DIE ZEIT
Lissabons legendäre Straßenbahnlinie 28, hier am Rande des Bairro Alto
Es war Februar, und eine Frau hatte mein Herz gebrochen, als ich zum ersten Mal in die Stadt am Tejo reiste, von der es heißt, hier sei die Melancholie zu Hause. In Deutschland regnete es seit Wochen, über Lissabon aber spannte sich ein unwirklich blauer Himmel. Ich hatte keinen Reiseführer eingepackt, Sehenswürdigkeiten interessierten mich nicht. Stattdessen schlenderte ich ziellos durch die Straßen und trank Portwein in Kneipen voller traurig aussehender Männer. In die Straßenbahn bin ich nur gestiegen, weil mir irgendwann am Abend die Füße weh taten.
Lissabon auf einer größeren Karte anzeigen
Die Carreira 28 dos Eléctricos de Lisboa verbindet die Lissabonner Stadtteile Alfama, Baixa, Lapa und Prazeres und zählt zu den berühmtesten Straßenbahnstrecken der Welt, aber das wusste ich damals nicht. Ich hatte auch keine Ahnung von den legendären 13,5 Prozent Steigung, die die Bahn auf ihrer Strecke überwindet. Ich wollte einfach sitzen, meinen Gedanken nachhängen und mich in die Nacht bringen lassen.
Eine Fahrt mit der 28 ist nicht die bequemste Art, in Lissabon von A nach B zu kommen. Sie setzt sich zusammen aus einem stetigen Wechsel von abruptem Bremsen und ruckartigem Anfahren. Die Räder rattern höllisch laut, die Sitze sind unbequem, und sehr oft bleibt sie stehen, weil Autos die Gleise blockieren. Gleichzeitig hat eine Fahrt in der 28 aber auch etwas wunderbar Nostalgisches. Man ertappt sich dabei, wie man mit dem Finger über das polierte Holz fährt. Und spürt, wie man allmählich ruhiger wird.
Damals, beim ersten Mal, ruckelte die 28 an den Fenstern großer Wohnungen vorbei, in denen Licht brannte, und in einer dieser Wohnungen saß eine junge Frau hinter ihrem Computer. Sie schaute aus dem Fenster, als die Bahn in Zeitlupe vorbeizuckelte, und für ein paar Sekunden trafen sich unsere Blicke. Dann lächelte sie, und sie lächelte alle Melancholie weg, einfach so. In diesem Moment wusste ich, dass ich eigentlich nie mehr aussteigen wollte.
Seitdem fahre ich immer mit der 28, wenn ich in Lissabon bin, oft gleich zweimal hintereinander von einer Endstation zur anderen, weil sich in der Zwischenzeit so viel verändert hat: In der Wohnung, in der eben noch ein Tisch gedeckt wurde, sitzt die Familie nun beim Dessert. Das Paar, das sich eben noch in den Armen lag, streitet jetzt. Und aus der Sé, der Kathedrale, auf deren Treppe sich zwei Großmütterchen abmühten, strömt mittlerweile ein himmelhochjauchzender Choral.
Manchmal entdecke ich auf diesen Fahrten Passagiere, die wie ich kein Ziel zu haben scheinen. Die Frau am Computer habe ich nie mehr gesehen. Doch ihr Lächeln trage ich in meinem längst reparierten Herzen, jedes Mal, wenn ich in der 28 sitze.
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- greuel
- 17.05.2012 um
17:20 Uhr
Vielleicht sollte man ehrlicher Weise dazu noch sagen, dass 80% der Fahrgäste in der Linie 28 Touristen sind. Dann relativiert sich das Bild doch ein wenig.
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- patrücken
- 17.05.2012 um
18:17 Uhr
du bist zwar ganz schön dreckig, im sommer besonders staubig, und sobald eine straße 1,20m breit ist, findet man da auch garantiert autos, aber wenn ich ein alter sack bin, dann hoffe ich, wird in alfama oder im bairro alto eine nette wohnung auf mich warten.
pasteis de belem zum frühstück, vitoria im estadio da luz fliegen sehen, an der costa da arrabida spazieren gehen, und mit vonho verde auf miradores die welt an sich vorbei ziehen lassen, ein traum… -
- Zack34
- 17.05.2012 um
19:12 Uhr
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- Mediaholic
- 17.05.2012 um
21:06 Uhr
Danke für diesen kurzen, alternativen Beitrag, der fast schon etwas von einer Kurzgeschichte hat!
Lissabon ist echt eine wunderschöne Stadt, auch wenn ich persönlich mein Barcelona bevorzuge.
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Schweden: Schären bringen Glück
Die Inselwelt vor der schwedischen Küste war August Strindbergs liebste Landschaft. Eine Bootstour zum 100. Todestag
© CC BY 2.0 Bengt Nyman/flickr
Die Schären vor Stockholm waren liebster Rückzugsort des Autors August Strindberg.
Stockholms schönste Straße führt hinaus ins offene Meer. In gemächlichem Tempo zuckelt das Fährschiff Cinderella I durch die Bucht, so als sollte den Passagieren Zeit gegeben werden, die prunkvollen Bauwerke an beiden Uferseiten zu bewundern. Mir gegenüber sitzt ein älterer Herr, der diese Fahrt von Stockholm hinaus in die Inselwelt der Schären offenbar nicht zum ersten Mal unternimmt. »Grosshandlarsvillors, im späten 19. Jahrhundert erbaut«, sagt Bengt Larsson freundlich, mit Blick auf die Unternehmervillen und schlossartigen Anlagen. Dann weist er auf ein lang gestrecktes Gebäude mit Türmen und Erkern. »Als ich noch ein Kind war, feuerte einmal ein ausländisches Marineboot Salutschüsse ab, weil der Kapitän dachte, das da sei das Königsschloss. Dabei war es nur ein Sanatorium.«
Zweimal macht das Boot noch fest, in Lidingö, in Vaxholm. »Jetzt beginnt der skärgård«, sagt Bengt, »das Schärenmeer.« Das Schiff nimmt Fahrt auf und sucht sich seinen Weg auf der nun breiter werdenden Meeresstraße, vorbei an kleinen und größeren Inseln, die felsig aus der See ragen, mit Wäldern bestanden, manch Ufer von Häusern gesäumt. So viele Inseln sind es, dass die Umrisse der entfernteren einen einzigen, den Horizont begrenzenden Rand bilden. Knapp zwei Stunden noch werden wir sie durchqueren, diese »Landschaft, gemischt aus Land und Wasser, die sich östlich der Hauptstadt etwa sieben Meilen ins Meer hinaus erstreckt«.
Die Beschreibung stammt von einem der ersten Stockholmer, der sich in die Schären verliebte – dem Dichter August Strindberg. Im Sommer 1868 reiste der 19-Jährige mit ein paar Freunden nach Sandhamn ganz am Rand der Inselgruppe – erst drei Jahre zuvor hatte die Dampfschifffahrt bis in die äußeren Schären begonnen. Man stellt sich die jungen Leute als eine Gruppe voll Elan vor, Freunde auf Pioniertour, und unter ihnen Strindberg, dessen Mutter schon gestorben war und der zum Vater ein schwieriges Verhältnis hatte. Ein empfindsamer junger Mann voll Lebenshunger.
»Sandhamn ist die schönste Insel«, sagt mein Mitreisender Bengt. Zumal eine der wenigen, die das ganze Jahr über bewohnt seien. Er selbst fahre hinaus, sobald er einen freien Tag habe. »Noch ein paar Wochen, dann ist alles voll mit uns Nullachtern.« So nennt man hier die Stockholmer – nach ihrer Telefonvorwahl. Erst in der letzten halben Stunde der Fahrt erahne ich das offene Meer: Der Riegel aus unzähligen, sich fast überlappenden Inselumrissen löst sich auf, die See wird wilder, das kleine Schiff schaukelt. »Noch weiter draußen gibt es dann nur noch Robben«, sagt Bengt.
Dann fahren wir in den kleinen Hafen von Sandhamn ein: Auf der rechten Seite überragt das alte Zollamt, ein wuchtiges gelbes Steinhaus, das ehemalige Telegrafenamt und das Värdshus, den Gasthof. Diese wichtigsten drei Gebäude des Ortes sah auch der junge Strindberg, als er hierherkam, um den pensionierten Zollinspekteur Elias Sehlstedt kennenzulernen, der als amüsanter Plauderer bekannt war und als Erster Gedichte und Artikel über die Schären schrieb. Strindberg versuchte seinen Stil zu imitieren, und bald mündete seine eigene Begeisterung über die Eilande und die See, Lotsenschiffer und Inselbauern, in einen Schreibfluss, der ein Leben lang nicht enden würde. Die Schären wurden seine liebste Landschaft und finden sich als Handlungsort überall im Werk – wie in dem Roman Die Hemsöer, der noch immer sein populärster Text in Schweden ist.
Auch andere Dichter, Maler und Künstler entdeckten Sandhamn und Umgebung für sich. Bis heute ist es so geblieben: Der Krimiautor Stieg Larsson ließ eine Szene im Sandhamner Värdshus spielen, der Lyriker und Nobelpreisträger Tomas Tranströmer hat auf der Nachbarinsel Runmarö sein Haus.
Frühjahrshell, lieblich und sandig – Sandhamn ist so, wie sein Name klingt
Hinter Zollhaus und Värdshus ist das Dorf auszumachen; dunkelrote und gelbe Holzhäuser mit breit heruntergezogenen Dächern, kreuz und quer und so nah beieinanderstehend, als wären sie eine Herde Vieh, die sich an einem Ende der Weide zusammendrängt. Sandige Pfade verlaufen zwischen mit Steinen eingefassten Miniaturgärten. An einigen Stellen ragen Felsblöcke zwischen den Häusern auf, kleine Aussichtsposten mit Blick auf das Meer oder den Friedhof, der erbaut wurde, als die Cholera bis auf die Insel kam. Dahinter ein Wald aus knorrigen Eichen und Kiefern. »Genießen Sie Sandhamn jetzt, solange nur die 100 Einheimischen und wir paar Nullachter da sind«, sagt Bengt zum Abschied. »Im Sommer wohnen dann 3.000 Leute hier, und noch mal so viele kommen als Tagesgäste dazu.«
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