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Merkels Fußball-Diplomatie

Beim G 8-Gipfeltreffen in den USA erlebte die Kanzlerin die Niederlage der Bayern im Champions-League-Finale live mit. Auf dem politischen Spielfeld war sie erfolgreicher: Zwar war viel von Konjunktur-Programmen die Rede. Klare Beschlüsse gegen Merkels strikte Sparpolitik gab es aber nicht.

Camp David Als Bastian Schweinsteigers Elfmeterschuss an den Pfosten prallt, stöhnt Angela Merkel auf. Sie schlägt die Hände vors Gesicht. Aus. Vorbei. Die Kanzlerin steht in einem Konferenzraum in einer Blockhütte in Camp David, auf dem Landsitz des US-Präsidenten, und schaut verärgert auf einen TV-Bildschirm. Soeben hat Bayern München das Champions-League-Finale verloren. Und dann muss Merkel auch noch tröstende Umarmungen ihres britischen Amtskollegen David Cameron über sich ergehen lassen.

Die beiden Staatschefs hatten sich beim Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands (G 8) in der idyllischen Blockhaus-Siedlung Camp David in den Wäldern Marylands kurzfristig aus dem Konferenzraum gestohlen, um in einem separaten Raum das Champions-League-Endspiel zu sehen. Zum Elfmeterschießen kamen dann auch US-Präsident Barack Obama, eigentlich Basketball-Fan, Kanadas Premier Stephen Harper und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy mit ihren Mitarbeitern dazu. Obama habe in diesen Minuten gelernt, dass Deutsche auch leidenschaftlich schimpfen und Torhüter Elfmeter schießen können, scherzt später jemand in der deutschen Delegation.

Auf dem politischen Spielfeld war die deutsche Regierungschefin zuvor erfolgreicher. Auch dabei ging es um ein Endspiel in Europa – die Entscheidung über die Euro-Zone. Nach einer fast dreistündigen Debatte einigten sich die Staats- und Regierungschefs schließlich auf ein klares Veto gegen Konjunkturprogramme. Es dürfe kein “künstliches Wachstum” erzeugt werden, sagte Obama zur Überraschung einiger Teilnehmer. Immerhin hat der US-Präsident seinem überschuldeten Land gerade ein 600 Milliarden Euro schweres Konjunkturprogramm verpasst. “Wir brauchen eine Wachstumsagenda für die Euro-Zone bei Beibehaltung fiskalischer Disziplin”, forderte Obama. So umschiffte er geschickt den Streit zwischen Frankreichs neuem Präsidenten François Hollande und Merkel über die Wachstumspolitik. Die Kanzlerin beharrt auf Strukturreformen, Hollande will staatlich finanzierte Wachstumsprogramme.

Doch der US-Präsident wollte wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl keine negative Stimmung auf “seinem” Gipfel zulassen. Erstmals war Barack Obama Gastgeber der jährlichen G 8-Treffen – und der Amerikaner hatte sich für das Postkarten-Ambiente in Camp David entschieden, einer parkähnlichen Holzhaus-Siedlung, die seit 1942 als Landsitz der US-Präsidenten dient. Als Kleiderordnung galt “Camp casual”, sprich: locker, keine Krawatte. Die Staatschefs fuhren mit elektrischen Golf-Wägelchen über das Gelände (der Brite Cameron fuhr links – ohne Folgen), man traf sich zu T-Bone-Steaks und Stampfkartoffeln in einer Holzhütte und plauderte auch abseits der Weltpolitik.

Die Debatte über die Bekämpfung der Euro-Krise brachte den Zeitplan indes gehörig durcheinander. Vor allem Hollande, der Neuling unter den Mächtigen, forderte stärkere Konjunkturimpulse. “Wachstum ist das Herz unserer Bemühungen”, sagte er bei einer Pressekonferenz in einer Sitzungspause. Bei Merkel hörte sich das nur wenige Minuten später anders an. Es gehe um Haushaltskonsolidierung, Strukturreformen und gezielte Zukunftsinvestitionen, sagte die Kanzlerin: “Wir sind uns einig, dass es nicht um Konjunkturprogramme im herkömmlichen Sinne geht.”

Die Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland wurden deutlich. Immerhin: Persönlich hätten Hollande und Merkel schon einen “guten Draht” zueinander gefunden, wurde im Umfeld der Kanzlerin berichtet. Der zurückhaltende, analytische Stil Hollandes sei dem Merkels ähnlich.

Inhaltlich blieben die Fronten aber verhärtet. Zusammen mit Cameron verlangte Hollande auch einen stärkeren Einsatz der Europäischen Zentralbank. Auch das lehnte Merkel ab. Ein Vier-Augen-Gespräch mit Hollande gab es, anders als ursprünglich geplant, nicht mehr. Man könne bis zur französischen Parlamentswahl im Juni keine Kompromisse erwarten, hieß es.

Dafür bat Obama Merkel am Samstag kurzfristig zum Gespräch. Das Abschlussdokument war bereits verfasst, da wollte der Präsident offenbar noch mal unter vier Augen über Griechenand reden. Das Thema treibt ihn um. Beobachter sehen Athens Schicksal untrennbar mit der Wiederwahl Obamas verbunden. “Athen kann die Weltwirtschaft in den Abgrund reißen”, analysierte ein Kommentator des US-Senders ABC: “Und Obama gleich mit.” Obama habe darauf gedrungen, Griechenland unbedingt in der Euro-Zone zu behalten, hieß es in der Delegation. Im Schluss-Kommuniqué der G 8 findet sich eine entsprechende Forderung.

Auch Merkel bekräftigte das Ziel. Die Irritationen über einen angeblichen Vorschlag Merkels, die Griechen in einem Referendum über die Euro-Mitgliedschaft abstimmen zu lassen, hatten sich da bereits aufgelöst. Natürlich sei die Neuwahl in Athen auch eine Abstimmung über den Euro, hieß es im Beraterstab der Kanzlerin: “Besonders zu betonen braucht man das nicht.”

Die wohl turbulenteste Woche ihrer bisherigen Amtszeit endete für Merkel somit versöhnlich. Dienstagfrüh kommt die Kanzlerin zurück nach Berlin. Dann erwartet sie die Koalitionskrise. Dagegen dürfte Camp David wie ein Klassentreffen im Grünen erscheinen.

Internet So gesellig war der Gipfel: www.rp-online.de/politik

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Sarrazin will basement Euro abschaffen

Berlin (RP). Der frühere Bundesbank-Vorstand und Bestseller-Autor ist zurück auf der großen Bühne: Sein neues Buch “Europa braucht den Euro nicht” kommt morgen in den Handel. Darin bezeichnet er die Forderung von SPD und Grünen nach Eurobonds als Schuld-Reflex, um für den Holocaust zu büßen.

Thilo Sarrazin verzieht keine Miene, während er für den Fotografen jede Menge Euro-Banknoten zerknüllt und in die Luft hält. Eindeutiger kann ein Foto für die Titelgeschichte eines Wochenmagazins nicht sein. Diesmal ist es der “Focus” und nicht der “Spiegel” oder die “Bild am Sonntag”, der Sarrazins neues Buch mit dem Titel “Europa braucht den Euro nicht” vorab einsehen durfte – und für Sarrazin und dessen Verlag DVA in dieser Woche die Werbetrommel rührt.

Sarrazin schickt sich an, mit diesem neuen Buch einen ähnlich großen Erfolg zu erzielen wie mit dem Titel “Deutschland schafft sich ab”, der in der gebundenen Version 1,3 Millionen Mal abgesetzt und zu einem der meistverkauften Sachbücher der Nachkriegsgeschichte wurde. Wieder hat sich der frühere Bundesbank-Vorstand ein populäres Thema gewählt. Nur dass er sich nun auf einem Terrain bewegt, auf dem er sich besser auskennt. Statt mit mangender Integration beschäftigt sich der promovierte Ökonom diesmal mit dem Euro. Sarrazin hat die Geldpolitik als Bundesbanker aufs Engste verfolgen können – und er war als Referatsleiter im Bundesfinanzministerium nach der deutschen Einheit an den Euro-Vorbereitungen beteiligt.

Wieder spricht Sarrazin im neuen Buch aus, was nach seiner Ansicht viele Deutsche denken, mutmaßen oder hoffen, was sie aber von verantwortungsvollen Politikern nicht zu hören bekommen: In Wahrheit brauche Europa den Euro gar nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in den vergangenen beiden Krisenjahren mehrfach erklärt: “Scheitert der Euro, scheitert Europa.” Dies, meint Sarrazin, sei eine widerlegbare Behauptung der Kanzlerin, die mit dieser Drohung nur versucht habe, die übrigen Euro-Länder von ihrer Rettungspolitik zu überzeugen.

Länder, die dauerhaft gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt verstießen, fordert der frühere Berliner Finanzsenator in seinem neuen Buch, sollten die Euro-Zone verlassen: “Wenn ein Land unter der Disziplin der gemeinsamen Währung nicht leben kann oder will, so soll es jederzeit frei sein, zu seiner nationalen Währung zurückzukehren”, schreibt Sarrazin.

Gemeint ist vor allem Griechenland, das Sarrazin schon lange für einen hoffnungslosen Fall hält. Schon 2010 habe er prognostiziert, dass der Schulden-Dauersünder Griechenland zum Problemfall der Euro-Zone werden würde. Die mit der EU vereinbarten griechischen Sparpläne seien “irreal”, analysiert Sarrazin im Buch. Griechenland werde “für den Euro-Raum das werden, was der Mezzogiorno (Süditalien, d. Red.) seit 150 Jahren für Italien ist: ein ewiges Zuschussgebiet ohne Perspektive und ohne innere Kraft zur eigenen Regeneration”.

Aus Sicht des Autors ist durch die zahlreichen vergeblichen Rettungsmaßnahmen längst “nach außen der Eindruck der deutschen Erpressbarkeit” entstanden. Wenn die Währungsunion funktionieren solle, erfordere dies, dass sich alle Mitglieder “mehr oder weniger so verhalten, wie es deutschen Standards entspricht”, schreibt Sarrazin, der 2010 nach öffentlichen Provokationen über die angebliche Integrationsunwilligkeit muslimischer Migranten als Bundesbank-Vorstand entlassen worden war.

SPD, Grüne und Linkspartei attackiert SPD-Mitglied Sarrazin wegen ihrer Forderung nach gemeinschaftlichen europäischen Staatsanleihen, den sogenannten Eurobonds. Deren Befürworter seien “getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben”, schreibt Sarrazin in dem 464 Seiten starken neuen Buch, das er auf dem heimischen Computer verfasst hat.

Schon bevor das neue Buch herauskommen ist, hat es heftige politische Reaktionen ausgelöst. “Seine Methode, so zu tun, als ob es Denk- oder Sprechverbote in Deutschland zu bestimmten Themen gibt, gegen die er dann verstößt, hat etwas sehr Kalkulierendes. Und ist dann auch noch unsinnig”, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) der “Bild am Sonntag”.

Es sei schon “völlig unangemessen” gewesen, “über angebliche genetische Prädispositionen zu fabulieren”, wie Sarrazin es mit “Deutschland schafft sich ab” getan habe. “Entweder redet und schreibt Sarrazin aus Überzeugung einen himmelschreienden Blödsinn, oder er macht es mit einem verachtenswerten Kalkül”, erklärte Schäuble.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte die Sozialdemokraten indirekt auf, Sarrazin aus der SPD auszuschließen. “Man kann den Holocaust leugnen oder ihn wie Thilo Sarrazin zur Verbreitung antieuropäischer Rechtspopulismen instrumentalisieren”, sagte Trittin. Beides sei gleich unerträglich. “Man wundert sich nur, dass Sarrazin mit dieser offen rechten Ideologie immer noch in der SPD sein kann”, sagte Trittin.

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Sarrazin will basement Euro abschaffen

Berlin (RP). Der frühere Bundesbank-Vorstand und Bestseller-Autor ist zurück auf der großen Bühne: Sein neues Buch “Europa braucht den Euro nicht” kommt morgen in den Handel. Darin bezeichnet er die Forderung von SPD und Grünen nach Eurobonds als Schuld-Reflex, um für den Holocaust zu büßen.

Thilo Sarrazin verzieht keine Miene, während er für den Fotografen jede Menge Euro-Banknoten zerknüllt und in die Luft hält. Eindeutiger kann ein Foto für die Titelgeschichte eines Wochenmagazins nicht sein. Diesmal ist es der “Focus” und nicht der “Spiegel” oder die “Bild am Sonntag”, der Sarrazins neues Buch mit dem Titel “Europa braucht den Euro nicht” vorab einsehen durfte – und für Sarrazin und dessen Verlag DVA in dieser Woche die Werbetrommel rührt.

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Länder, die dauerhaft gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt verstießen, fordert der frühere Berliner Finanzsenator in seinem neuen Buch, sollten die Euro-Zone verlassen: “Wenn ein Land unter der Disziplin der gemeinsamen Währung nicht leben kann oder will, so soll es jederzeit frei sein, zu seiner nationalen Währung zurückzukehren”, schreibt Sarrazin.

Gemeint ist vor allem Griechenland, das Sarrazin schon lange für einen hoffnungslosen Fall hält. Schon 2010 habe er prognostiziert, dass der Schulden-Dauersünder Griechenland zum Problemfall der Euro-Zone werden würde. Die mit der EU vereinbarten griechischen Sparpläne seien “irreal”, analysiert Sarrazin im Buch. Griechenland werde “für den Euro-Raum das werden, was der Mezzogiorno (Süditalien, d. Red.) seit 150 Jahren für Italien ist: ein ewiges Zuschussgebiet ohne Perspektive und ohne innere Kraft zur eigenen Regeneration”.

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Serengeti-Tierpark: Kängurus „Wicki“ und „Urmel“ aus Tierpark entlaufen

Fotocredits:

dpa (16), PR, dpa / Jeon Heon-Kyun (2), dpa / Karl-Josef Hildenbrand, dpa / Ma Pushpa Kumara, dpa / Tal Cohen, dpa / Michael Reynolds, dpa / Jose Manuel Vidal, dpa / Narong Sangnak, dpa / Gustavo Cuevas, dpa / Nicolas Armer, dpa / Boris Roessler (2), dpa / Robert Jaeger, dpa / Luong Thai Linh, dpa / Hendrik Urbin, dpa / Albert Olive, dpa / Juanjo Martin, dpa / Christian Charisius, dpa / Arne Dedert, dpa / Marius Becker (2), dpa / Patrick Pleul (2), dpa / Julian Stratenschulte, dpa / Simela Pantzartzi (2), dpa / Jaipal Singh, dpa / Antonio Lacerda, dpa / Marcel van Hoorn, dpa / Jens Wolf, dpa / Hendrik Schmidt, dpa / Alberto Martin, dpa / Abir Abdullah, dpa / Peter DaSilva, dpa / Andy Rain, dpa / Carmen Jaspersen (2), dpa / Angelika Warmuth (2), dpa / David Chang, dpa / Olivier Hoslet, dpa / Abir Sultan, dpa / Patrick Kovarik, dpa / Michael Kappeler, dpa / Sergey Dolzhenko, dpa / Matthias Hiekel, dpa / Arno Burgi, dpa / Uli Deck, dpa / Ade Johnson, dpa / Daniel Karmann, dpa / Alaa Badarneh, dpa / Frank Rumpenhorst, dpa / Roland Weihrauch, dpa / Yuri Kochetkov, dpa / Daniel Reinhardt, dpa / Rainer Jensen, dpa / Garry Samuels, dpa / Jalil Rezayee, dpa / Vincenzo Pinto, dpa / Dan Peled, dpa / Zurab Kurtsikidze, AFP (32), REUTERS (13), Reuters (7), privat, Intosol_The_Saxon, Intosol_Molori_Cliffton, Intosol, Asterix/Egmont Ehapa Verlag (Softcover)/©2009 Les Éditions Albert René/Goscinny–Uderzo, YouTube, FOCUS Online, dpa / Marcus Brandt, dpa / Kimmo Brandt, Google Street View

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Kirche im Aufbruch oder in der Krise?

Mannheim (dapd). Signal zum Aufbruch oder Zeichen einer tiefen Krise: Einen Tag vor dem Ende des Katholikentags in Mannheim haben die Veranstalter und kirchenkritische Gruppen ein ganz unterschiedliches Fazit gezogen. Der Katholikentag habe gezeigt, dass sich eine Vielzahl von Menschen mit viel Engagement und Sachkunde für die katholische Kirche einsetzten, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, am Samstag in Mannheim. Reformgruppen innerhalb der katholischen Kirche kritisierten, der in Mannheim beschworene Aufbruch sei zu zögerlich.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, mahnte die Gläubigen zu Geduld. Der innerkirchliche Dialogprozess sei bis 2015 angelegt, und bis dahin würden alle wichtigen Themen angesprochen. So würden die Bischöfe demnächst die Seelsorge der wieder verheirateten Geschiedenen besprechen, die derzeit vom Abendmahl ausgeschlossen sind. Man werde darüber nachdenken, wie hier “pastorale Barmherzigkeit” aussehen könne, doch die Unauflöslichkeit der Ehe stehe nicht infrage, sagte Zollitsch.

Der Freiburger Erzbischof wertete den Katholikentag als wichtige Station auf dem Weg des Dialogprozesses. Es habe sich gezeigt, dass sich die katholische Kirche zu einer hörenden und lernenden Kirche weiter entwickle. Allerdings sei der Katholikentag nicht dazu da, um Reformen zu verkünden.

Glück sagte, das Laientreffen in Mannheim sei auf eine sehr beachtliche Resonanz gestoßen. Mindestens 80.000 Menschen hätten bewusst die Veranstaltungen des Katholikentags besucht, deutlich mehr als erwartet. Die Veranstalter waren im Vorfeld von bis zu 60.000 Besuchern ausgegangen.

Er hoffe, dass die in Mannheim gezeigte Gesprächskultur für den gesamten Dialogprozess der katholischen Kirche Vorbild sein könne, sagte Glück. Zugleich forderte er mehr Anerkennung und Mitwirkungsmöglichkeiten für die Laien in der katholischen Kirche. .

Der Obmann der österreichischen Pfarrer-Initiative, Helmut Schüller, kritisierte, bislang sei der innerkirchliche Dialog ein Gnadenakt von einer Seite, die entscheide, wer des Gesprächs für würdig erachtet werde. Die Basis müsse endlich ein angemessenes Gewicht bei Zukunftsentscheidungen erhalten. Die katholische Kirche sei nach der Reformation “500 Jahre schockgefroren” gewesen und müsse sich endlich den Fragen widmen, die sich in dieser Zeit angehäuft hätten.

Der kritische Theologe Hermann Häring warf den Bischöfen Hinhaltetaktik bei drängenden Fragen vor. In der Debatte um den Priestermangel, den Zölibat und die Ordination von Frauen zeige sich deutlich, wie willkürlich Rom vorgehe. Die offene Polarisierung innerhalb der katholischen Kirche sei beängstigend, da es sie in dieser Form seit der Reformation nicht mehr gegeben habe.

Christian Weisner von der Kirchenvolksbewegung “Wir sind Kirche” kritisierte, der beim Katholikentag beschworene Aufbruch sei sehr verzagt und gebremst. Ohne Veränderungen werde sich die Kirche in die Bedeutungslosigkeit zurück entwickeln. Zugleich kritisierte Weisner den Umgang der Kirchenleitung mit Reformbewegungen. Amtsträger, die sich für Reformen engagierten, würden in einigen Diözesen unter massiven Druck gesetzt oder gar aus ihren Ämtern gedrängt. Das Drohpotenzial erinnere an DDR-Zeiten.

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